Blutrache in Frankfurt: Acht Angeklagte wegen Familienfehden-Mord an Gleis 9 vor Gericht.
Die Sicherheitsvorkehrungen wegen der mörderischen Familienfehde waren schon Stunden vor dem Gerichtsprozess hoch. Polizisten patrouillierten vor dem Gebäude. Die acht Angeklagten wurden um kurz vor zehn Uhr wortwörtlich im Minutentakt in Handschellen in den Saal geführt. Sie haben teils die deutsche, teils die türkische Staatsangehörigkeit. Einige nickten kurz in den Zuschauerraum.
Opfer teilte seinen Standort: Der Hauptangeklagte Kemal Ö. und seine Komplizen sollen laut Staatsanwältin genau gewusst haben, wo sich ihr Opfer am 20. August 2024 aufhielt. Denn Abdul Kadir E. soll auf der Plattform Tiktok aktiv gewesen sein, habe immer wieder seinen Standort geteilt. So war auch am Tatabend ersichtlich, dass er per Zug erst zum Mainzer Hauptbahnhof und von dort aus weiter nach Frankfurt fuhr.
Dort haben ihn laut Anklage zwei der Männer bereits erwartet. Kemal Ö. schoss ihm demnach einmal mit einer halbautomatischen Kurzwaffe (Kaliber 7,65 Millimeter) der Marke Browning unvermittelt in den Kopf. Dann beugte er sich über den am Boden liegenden E. und feuerte zwei weitere Male auf seinen Kopf. Überwachungskameras zeichneten denMordauf. Der mutmaßliche Todesschütze wurde noch am Tatort festgenommen.
Familienfehde führte zum Mord: Die Staatsanwaltschaft ist sicher: Auslöser für die Gewalttat soll eine jahrelange Fehde zwischen den türkischen Familien von Opfer und Hauptangeklagten gewesen sein. Bereits 2016 war der Vater von Abdul Kadir E. in der Türkei getötet worden. Danach soll ein Onkel von Abdul Kadir E. einen Verwandten der Ö.s erschossen haben. Seither soll wiederum die Familie Ö. Blutrache geschworen haben. Die Angeklagten ließen am ersten Prozesstag erklären, sich nicht äußern zu wollen. Der Prozess soll bis in den Juli gehen.