Horst Lichter ist das Gesicht des deutschen Wohlfühl-Fernsehens. Mit seinem markanten Zwirbelbart, seinem herzlichen Lachen und einer scheinbar unerschütterlichen Ruhe hat er sich in die Herzen von Millionen Zuschauern moderiert. Doch wer glaubte, dass es in der schillernden Welt der TV-Küchen und Trödelshows immer so harmonisch zuging, wie es die Kameras suggerierten, wird nun eines Besseren belehrt. Mit 63 Jahren hat Lichter beschlossen, die Karten auf den Tisch zu legen. In einem emotionalen Rückblick bricht er sein Schweigen über die Jahre der stillen Spannung, der unterdrückten Frustration und der zwischenmenschlichen Enttäuschungen, die ihn hinter den Kulissen begleiteten.

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Es ist ein Geständnis, das viele vermutet, aber in dieser Deutlichkeit nicht erwartet hatten: Nicht jedes Lächeln war echt, und nicht jeder Handschlag vor laufender Kamera war von ehrlichem Respekt getragen. Lichter blickt auf eine Karriere zurück, die zwar von Erfolg gekrönt war, aber auch tiefe Narben hinterließ – verursacht durch Kollegen, die er einst als Partner oder gar Freunde betrachtete.

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Besonders tief sitzt der Schmerz in Bezug auf Johann Lafer. Das Duo „Lafer! Lichter! Lecker!“ galt jahrelang als das Nonplusultra der deutschen Kochunterhaltung. Doch Lichter offenbart nun, dass die Harmonie oft nur ein Produkt der Regie war. Hinter den Kulissen brodelte es. Lafer, der Perfektionist, kritisierte Lichters Improvisationstalent und warf ihm vor, sein Humor würde die Seriosität der Rezepte untergraben. Was als fachliche Kritik getarnt war, empfand Lichter als persönlichen Angriff auf sein Wesen. Besonders eine Situation bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung blieb ihm im Gedächtnis, als Lafer seine regionalen Ansätze ignorierte und ihn förmlich überschattete. „Respekt kann in einem Augenblick verschwinden“, reflektiert Lichter heute wehmütig.

Doch Lafer war nicht der Einzige, der Lichters Geduld auf die Probe stellte. Die Zusammenarbeit mit Cornelia Poletto beschreibt er als überraschend schwierig. Trotz der gemeinsamen Leidenschaft für das Kulinarische herrschte am Set oft ein Klima der Dominanz statt der Kooperation. Lichter erinnert sich an Momente, in denen Poletto seine sorgfältig geplanten Segmente eigenmächtig übernahm und ihn vor laufender Kamera zur Improvisation zwang. Subtile, aber scharfe Kommentare über seine angeblich „veraltete“ Herangehensweise trafen ihn tief. In einer Welt, in der Professionalität alles ist, wurde die Kritik vor dem Team zur Zerreißprobe für Lichters Selbstverständnis als Koch und Moderator.

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Auch Roland Trettl, den Lichter eigentlich für seinen mutigen Stil bewunderte, entpuppte sich als schwieriger Zeitgenosse. In Wettbewerbssituationen untergrub Trettl wiederholt Lichters Autorität, korrigierte seine Techniken ungefragt und stellte ihn bei Preisverleihungen öffentlich bloß, indem er Lichters traditionellen Ansatz als „zu sicher“ verspottete. Für Lichter war dies mehr als nur ein fachlicher Disput; es war eine Missachtung seiner jahrzehntelangen Erfahrung. „Es ging nicht nur ums Essen, es ging um Respekt“, fasst er die Situation zusammen, die schließlich zum Bruch der beruflichen Beziehung führte.

Die Liste der Enttäuschungen setzt sich fort mit Enie van de Meiklokjes. Was nach außen wie eine spritzige Zusammenarbeit aussah, war intern von Spannungen geprägt. Lichter fühlte sich in Interviews oft an den Rand gedrängt, seine Expertise wurde kleingeredet, während die Kollegin das Rampenlicht für sich beanspruchte. Diese subtile Form der Missachtung schmerzte oft mehr als ein offener Streit, da sie schwerer zu greifen war und den Kern seiner Arbeit angriff.

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Vielleicht am überraschendsten ist jedoch Lichters Schilderung über Günther Jauch. Der „Liebling der Nation“ verbarg laut Lichter hinter seinem ruhigen Auftreten eine scharfe Kante. Lichter berichtet von einer Live-Gala, bei der Jauch kurzfristig das Format änderte und Lichter im Regen stehen ließ. In Talkshows wurden seine Witze als belanglos abgetan, und hinter den Kulissen soll Jauch sogar Einfluss auf die Produktion genommen haben, um Lichters Sendezeit zu kürzen. Für Horst Lichter war dies die ultimative Erkenntnis: In der hart umkämpften Medienbranche zählt oft nur der eigene Vorteil, und langjährige Verträge oder Absprachen sind kein Garant für menschliche Wertschätzung.

Heute, mit 63 Jahren, ist Horst Lichter an einem Punkt angelangt, an dem er diese Last nicht mehr tragen möchte. Sein Geständnis ist kein Rachefeldzug, sondern eine notwendige Befreiung. Er möchte den Zuschauern zeigen, dass auch ein Leben im Rampenlicht Schattenseiten hat und dass die „heile Welt“, die wir im Fernsehen sehen, oft mit hohen persönlichen Kosten erkauft wird. Es ist ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit und echten Respekt – Werte, die er in all den Jahren oft schmerzlich vermisst hat. Die Maske ist gefallen, und was bleibt, ist ein Mann, der trotz aller Widrigkeiten seinen Anstand bewahrt hat, aber nun endlich die Wahrheit ausspricht, die er viel zu lange für sich behalten hat.